Toyota und das Streben, immer bessere Autos zu bauen
Vom Motorsport auf die Straße
Das Wichtigste in Kürze
- Die Rückkehr an den Nürburgring 2007 war ein Meilenstein in der Fahrzeugentwicklung bei Toyota
- Toyota als Vorreiter der Elektrifizierung: auf der Straße und auf der Rennstrecke
- Toyota GR Modelle bringen echte Rennsporttechnik zu den Kunden
Verbrauchs- und Emissionswerte der genannten Fahrzeuge:
Energieverbrauch GR Yaris: kombiniert nach WLTP 8,7-9,5 l/100 km, CO2-Emissionen kombiniert 197-215 g/km. CO2-Klasse G
Köln. Immer bessere Autos bauen – dieses Prinzip leitet die Fahrzeugentwicklung bei Toyota, und es prägt auch das Engagement des Unternehmens im Motorsport. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar: Während die Rennwagen Technik nutzen können, die sich auf der Straße millionenfach bewährt hat, profitiert die Entwicklung von Serienfahrzeugen wiederum von den Erfahrungen, die unter extremen Bedingungen auf Rundkursen und Rallyepisten gesammelt werden.
Es ist diese symbiotische Beziehung zwischen Rennsport und Straßenfahrzeugen, die den Antrieb bildet für das Debüt von Toyota beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring im Jahr 2007. Schon vorher nutzt das Unternehmen den legendären Eifelkurs, um seine Fahrzeuge zu testen und auf die anspruchsvollen europäischen Fahrbedingungen abzustimmen. Mit ihrer Länge, ihrer Beschaffenheit und ihrem einzigartigen Profil dient die Nordschleife als Beschleuniger: Hier lässt sich mit verhältnismäßig geringem Zeitaufwand ein ganzes Fahrzeugleben im Zeitraffer abbilden.
Die Impulse des Meisterfahrers
Eines der Modelle, die dieses Fitnessprogramm absolvieren, ist der Toyota Supra. Die vierte Generation des Sportwagens wird maßgeblich auf dem Nürburgring abgestimmt, ehe sie im Jahr 1993 auf den Markt kommt. Es ist ausgerechnet dieses Modell, auf dem der spätere Konzernchef Akio Toyoda zum Meisterfahrer Morizo wird.
Als Toyoda 2009 an die Spitze des Unternehmens rückt, legt er einen besonderen Fokus auf das Motorsport-Engagement. Er und sein Chef-Testfahrer Hiromu Naruse wissen um die Bedeutung, sich mit anderen Marken auf der Rennstrecke zu messen und sich gegenseitig zu Höchstleistungen anzutreiben. Unter Toyodas Regie wird die Entwicklung eines neuen Toyota Supra angestoßen; zuvor hat er bereits die Entwicklung des Lexus LFA vorangetrieben, den er 2009 beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring auch selbst steuert.
Der Supersportwagen ist ein Technologieträger, der mit Kohlefaser-Karosserie und -Chassis, hochdrehendem V10 mit 12-Loch-Hochdruck-Einspritzung und digitalen Instrumenten zahlreiche technische Meilensteine erreicht. Speziell die Verarbeitung von kohlefaser-verstärktem Kunststoff (CFRP), bei der Toyota auch seine Kompetenz als früherer Webstuhlhersteller nutzt, markiert einen echten Fortschritt.
Mit dem Hybridantrieb von Erfolg zu Erfolg
Die Antriebsentwicklung bei Toyota wird seit mehr als zwei Jahrzehnten von der Elektrifizierung geprägt. Ausgehend vom Toyota Prius, der 1997 als erstes Serienmodell mit Hybridantrieb auf den Markt kam, hat sich die Marke zum weltweit führenden Anbieter elektrifizierter Antriebe entwickelt. Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit der Technik wird dabei seit Jahren auch im Motorsport erprobt und validiert. So ist Toyota seit dem Wiedereinstieg in die Langstrecken-Weltmeisterschaft 2012 (WEC) mit leistungsstarken Hybrid-Boliden unterwegs: zunächst mit dem TS030 Hybrid, später mit den Nachfolgern TS040 und TS050. Aktuell lotet der GR010 Hybrid die Grenzen der Hybridtechnik im Rennsport aus – und das höchst erfolgreich. In der vergangenen Saison holte Toyota Gazoo Racing in der WEC den sechsten Hersteller-WM-Titel in Folge.
Auch in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) hat der Hybridantrieb seine Leistungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Der GR Yaris Rally1 war 2022 das erste Auto des Toyota World Rally Teams mit Hybridantrieb und eilte anschließend von Erfolg zu Erfolg. In der laufenden Saison fiel das Hybridsystem aufgrund neuer technischer Vorschriften weg. Dennoch leistet der aktuelle GR Yaris Rally1 weiterhin einen Beitrag zur Erforschung nachhaltiger Antriebsoptionen: Durch die Verwendung von 100 Prozent fossilfreiem Kraftstoff bleibt er dem Ziel des nachhaltigen Motorsports treu.
Einen weiteren Schritt, den Motorsport sauberer zu machen, ohne die damit verbundenen Emotionen zu beeinträchtigen, macht Toyota mit der Entwicklung eines Wasserstoff-Verbrennungsmotors. Seit einigen Jahren erprobt das Unternehmen ein mit Wasserstoff laufendes Triebwerk in verschiedenen Rennmodellen: zunächst in einem GR Corolla H2, mit dem unter anderem Akio Toyoda 2021 bei den 24 Stunden von Fuji antrat, inzwischen im GR Yaris H2, der sich etwa im Rahmen der Rallye Belgien in Ypern 2022 bei Demonstrationsfahrten zeigte.
Die technische Basis liefert der 261 PS starke Turbo-Benziner aus dem GR Yaris: der stärkste Dreizylinder der Welt, der hier aber mit Wasserstoff betrieben wird. Mit Folgen nicht nur für die Emissionen – aus dem Auspuff kommt lediglich Wasserdampf –, sondern auch für das Ansprechverhalten, das aufgrund der schnelleren Verbrennung des Luft-Wasserstoff-Gemischs deutlich direkter ausfällt. Erhalten bleibt – im Gegensatz zu vollelektrischen Antrieben – zudem der charakteristische Verbrenner-Sound, der für viele zu einem ganzheitlichen, alle Sinne ansprechenden Motorsporterlebnis einfach dazu gehört.
GR: Rennsport in Serie
Der Techniktransfer aus dem Motorsport in die Serie ist nicht immer auf den ersten Blick offensichtlich: Meist geht es um kleine Details und Optimierungen, die Performance und Zuverlässigkeit der Straßenfahrzeuge verbessern. Ganz anders ist es bei den GR Modellen von Toyota, die technisch und optisch klare Anleihen bei den entsprechenden Rennsportversionen nehmen.
Bestes Beispiel ist der GR Yaris: Das 2020 erstmals eingeführte sportliche Topmodell der Kleinwagenbaureihe sollte bei Technik und Design direkt von den Erfahrungen profitieren, die Toyota Gazoo Racing bei seinen Siegen in der WRC gesammelt hat. Das Entwicklungsprogramm für die 2024 aktualisierte Modellversion folgte dem Konzept „develop, race, break, fix“: Auf der Suche nach Verbesserungen wurde das Fahrzeug an seine Grenzen gebracht – buchstäblich bis zur Belastungsgrenze seiner Komponenten. „In jedem Aspekt des neuen GR Yaris steckt das Wissen und die Erfahrung aus dem Motorsport sowie unserer Meister-, Renn- und Rallyefahrer“, sagt Chefingenieur Naohiko Saito.
Der weiterentwickelte Motor – mit einem verstärkten Ventiltrieb, einem neuen Material für die Auslassventile, einem höheren Einspritzdruck und neuen leichten Kolben – wurde in der japanischen Rallye-Meisterschaft und in der japanischen Langstrecken-Tourenwagenserie auf Herz und Nieren geprüft. Das „Gazoo Racing Direct Automatic“-Getriebe mit acht Gängen ermöglicht auf der Rennstrecke schnellere Rundenzeiten als mit dem manuellen Getriebe, das elektronisch gesteuerte, permanente Allradsystem GR-FOUR mit zwei Torsen-Sperrdifferenzialen liefert optimale Dynamik und Traktion.
Der GR Yaris ist ein Paradebeispiel dafür, wie Toyota und seine Performance-Abteilung Toyota Gazoo Racing durch das Engagement im Motorsport immer bessere Autos entwickeln. Und auch dafür, wie die Kunden und wiederum die Marke Toyota davon profitieren: So avancierte der von Kunden geliebte und von der Fachpresse gefeierte GR Yaris binnen kürzester Zeit zu einem begehrten Sammlerobjekt bei Liebhabern leistungsstarker Autos. Toyota wolle nicht länger überholt werden, sondern selbst andere überholen, hatte Akio Toyoda zu Beginn des Engagements beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gesagt. Dieser Plan ist in mehrerer Hinsicht aufgegangen.