Wertvolle Rallye-Raid-Erfahrung für Fernando Alonso

Wettkampfdebüt beim Lichtenburg 400

2019 Fernando Alonso at Lichtenburg 400

Das Wichtigste in Kürze

  • Lehrstunden beim fünften Lauf der South African Cross Country Series
  • Konkurrenzfähige Zeiten trotz erschwerter Bedingungen
  • Rallye Marokko als weitere Trainingseinheit geplant

Köln. Eine ebenso ereignis- wie lehrreiche Erfahrung haben Fernando Alonso und Marc Coma für Toyota Gazoo Racing beim Lichtenburg 400 (13. bis 14. September) in Südafrika gemacht. Nach erfolgreichen Trainingseinheiten in Namibia und Polen startete das spanische Duo beim fünften Lauf der South African Cross Country Series und absolvierte seinen ersten gemeinsamen Rallye-Raid-Wettbewerb im Toyota Hilux.

Im Rahmen ihres Trainings am 12. September meisterte die Crew einen 300 Kilometer langen Shakedown auf dem abwechslungsreichen Gelände der Wettkampfstrecke. Mit der zusätzlichen Zeit im Hilux konnte sich Navigator Coma mit dem Event-Roadbook und den während des Wettbewerbs verwendeten Onboard-Navigationssystemen vertraut machen.

Während des Prologs (13. September), der traditionell die Startreihenfolge für den Renntag festlegt, gingen Alonso und Coma vom zehnten Platz aus auf die 55 Kilometer lange Strecke. Trotz des Staubs, den die vorausfahrenden Teams aufwirbelten, zeigte die Crew von Anfang an ein starkes Tempo, überholte schließlich einen der Konkurrenten vor sich und verschaffte sich damit klarere Sicht. Mit gerade einmal 32 Sekunden Rückstand auf die Pole fuhren Alonso und Coma die drittschnellste Zeit in der Gesamtwertung. Nur die ebenfalls für Toyota Gazoo Racing im Hilux startenden Henk Lategan und Giniel de Villiers waren schneller.

Ausgehend von der dritten Position, überschlugen sich Alonso und Coma am Renntag nach 27 Kilometern. Vor der Weiterfahrt musste zunächst die beschädigte Windschutzscheibe des Hilux entfernt werden. Die beiden beendeten die 190 Kilometer lange Schleife mit Schutzbrillen und verzeichneten dennoch konkurrenzfähige Zwischenzeiten. Mittags wechselte das Toyota Gazoo Racing Team die Scheibe und führte kleinere Karosseriereparaturen am Hilux durch. Gemeinsam mit den Veranstaltern wurde zudem beschlossen, die zweite Runde vor dem Feld mit klarer Sicht zu starten, um mehr Kilometer abspulen zu können.

Doch nach nur fünf Kilometern führte der Zusammenstoß mit einem Vogel zu einer zweiten gebrochenen Windschutzscheibe. Alonso und Coma bewiesen jedoch erneut ihre Entschlossenheit und meisterten die letzte 190 Kilometer lange Schleife, indem sie abwechselnd die kaputte Windschutzscheibe zwischen Fahren und Navigieren festhielten. Sie verzeichneten dabei weiterhin wettbewerbsfähige Zwischenzeiten und belegten Gesamtplatz 16.

Insgesamt legte das Duo beim Lichtenburg 400 weitere 728 Trainingskilometer zurück, die sie durch Kornfelder, hügelige Veld-Plateaus und ausgetrocknete Flussbetten führten. Noch wertvoller als die Laufleistung sind die in der Hitze des Rallye-Raid-Wettbewerbs gesammelten Erfahrungen und Lektionen für das spanische Duo, das neue Disziplinen des Motorsports für sich entdeckt.

Gewonnen wurde das Lichtenburg 400 von Giniel de Villiers und Navigator Dennis Murphy, während die Toyota Gazoo Racing South Africa Teamkollegen Henk Lategan und Navigator Brett Cummings den zweiten Platz belegten und damit bei noch einem ausstehenden Rennen vorzeitig den Titel der South African Cross Country Series 2019 holten.

Die nächste Herausforderung für Alonso und Coma im Rahmen ihres intensiven Trainingsprogramms markiert die Rallye Marokko, die vom 3. bis 9. Oktober in der Nähe der marokkanischen Stadt Fes stattfindet. Die letztjährige Rallye wurde vom amtierenden Rallye-Dakar-Champion Nasser Al-Attiyah und dessen Navigator Mathieu Baumel gewonnen, die im Hilux von Toyota Gazoo Racing ihren zweiten Sieg in Folge bei dieser Rallye feierten.

Als Vorläufer der Rallye Dakar folgt die Route der diesjährigen Rallye Marokko einem Kleeblatt-Layout mit fünf Wettbewerbsstufen, die alle in der Nähe von Fes beginnen und enden. Die Teilnehmer navigieren über eine Gesamtdistanz von 2.500 Kilometern, von denen 1.868 Kilometer auf Sonderprüfungen mit einer Mischung aus rauen Schotterpisten, Sanddünen und kniffliger Navigation gefahren werden.

„Wir haben an diesem Wochenende sicherlich bewiesen, dass Fernando die Geschwindigkeit und Marc die Fähigkeiten hat, im Hilux mitzufahren. Trotz der Höhen und Tiefen war dieses Wochenende für die Crew ein unschätzbares Erlebnis“, erklärt Teamchef Glyn Hall. „Wir sehen einen der besten Rennfahrer aller Zeiten in einer Disziplin, die er noch nie zuvor bestritten hat. Mit nur fünf Monaten Vorbereitungszeit für eines der härtesten Rennen im Motorsport haben wir eine unglaubliche Aufgabe vor uns. Im Prolog haben wir gesehen, dass Fernando mit den besten Fahrern in Südafrika mithalten kann. Auf diesem Geschwindigkeitsniveau und bei einer so steilen Lernkurve haben wir kleine Rückschläge erwartet. Das ist genau die Art von Erfahrung, die sie machen müssen, um während des großen Rennens nicht überrascht zu werden. Die Entschlossenheit, die Fernando und Marc heute gezeigt haben, ist einfach beeindruckend. Die beiden stiegen wieder in das Auto ein und absolvierten die erste Runde ohne Windschutzscheibe im Staub, während sie in der zweiten Runde auf dem größten Teil der Strecke die Scheibe festhalten mussten.“

Fernando Alonso ergänzt: „Jedes Mal, wenn wir in das Auto steigen, lernen wir etwas und werden immer vertrauter mit dem Hilux. Leider war der heutige Tag für uns ein Albtraum. Am Morgen überschlugen wir uns, die Windschutzscheibe zerbrach, und unsere Sicht war beeinträchtigt. Also mussten wir sie entfernen. Wir fuhren den Rest der Runde mit Brille im Staub hinter allen Autos. Für die zweite Runde erlaubten uns die Organisatoren, vorne anzufangen, um freie Sicht zu haben. Doch nach ein paar Kilometern trafen wir auf einen Vogel und die Windschutzscheibe brach erneut. Dann hatten wir noch fast 200 Kilometer mit einer Hand an der Windschutzscheibe und der anderen am Lenkrad. Es war nicht der beste Tag für uns, aber wir konnten im Hilux weitere Kilometer fahren und es ist gut, diese Dinge zu erleben, bevor die wichtigeren Rennen beginnen.“

Marc Coma bestätigt: „Heute war ein ziemlich harter Tag für uns nach einem wirklich guten Tag gestern. Wir starteten das Rennen ruhig und schafften es trotz des Überschlags, die Schleife zu beenden. Dann starteten wir die zweite Runde mit einer neuen Windschutzscheibe, um mehr Erfahrung im Hilux zu sammeln. Doch nach nur wenigen Kilometern trafen wir auf einen Vogel und die Windschutzscheibe zerbrach erneut. Der Wind und der Staub machten es uns sehr schwer, bis zum Ende zu fahren. Es war wirklich nicht einfach, die Windschutzscheibe bei gleichzeitiger Navigation an Ort und Stelle zu halten. Doch wir haben die Situation gemeistert und sind ins Ziel gekommen. Trotz all der Herausforderungen, mit denen wir heute konfrontiert waren, ist es uns gelungen, viele wertvolle Kilometer und Erfahrungen zu sammeln.“