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Toyota auf dem neuen "Bahrain International Circuit"

Die Formel 1 integriert die arabische Nation

Motorsport
Köln – Bahrain, als Inselstaat im Persischen Golf gelegen, ist ein ehrgeiziger arabischer Staat. Und dies nicht nur deshalb, weil das Scheichtum gegen vier Wettbewerber in der Region als Austragungsort für ein Formel 1-Rennen gewonnen hat. Öl hat, wie in vielen Golf-Staaten, auch in Bahrain das Leben der Bevölkerung verändert. Das seit 200 Jahren von der Familie Al-Khalifa regierte Bahrain beugt heute schon für die Zeit nach dem Öl vor: Sprudeln die Quellen nicht mehr so reichhaltig, sollen den Staat Tourismus und Finanzen nachhaltig beleben.

Derzeit schießt in der Hauptstadt Manama das Milliarden Dollar teure Geschäftszentrum „Bahrain Financial Harbour“ in die Höhe. Bereits im zweiten Jahr fuhr die Formel 1 in der arabischen Nation. Das Eröffnungsrennen im April 2004 war ein großer Erfolg: Die Formel 1 war auch 2005 gerne auf dieser hoch modernen Motorsportanlage zu Gast. Das Interesse für den Motorsport ist in Bahrain und dem angrenzenden Saudi Arabien sehr groß. Beide Nachbarländer sind über den 25 Kilometer langen King-Fahad-Damm verbunden, der sich per Auto befahren lässt. Auf dieser Verbindungsstrecke sieht man nicht selten auch einen Toyota; die Marke gehört hier zu den führenden Automobilherstellern.

Der Formel 1-Weltmeisterschaftslauf im Mittleren Osten ist ein ganz besonderer Grand Prix im 19 Rennen umfassenden Kalender, der wie ein Märchen aus dem Orient anmutet. Die Atmosphäre rund um diesen 5,417 Kilometer langen Rennkurs in Sakhir ist faszinierend. Er liegt rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Manama entfernt und hat sich bereist im zweiten Jahr zu einem Höhepunkt in der Formel 1-Saison entwickelt. Der Bahrain International Circuit wurde während der knapp sechszehnmonatiger Bauzeit förmlich in die Wüste hineingebettet. Dies war insbesondere deshalb schwierig, weil sich in der Wüste der Sand über Jahrtausende zusammengepresst hat und härter als Beton ist.

„Das Bemerkenswerteste am Bahrain Internatinal Circuit ist seine geografische Lage mitten in der Wüste. Das sogt für eine einzigartige Eigenschaft des Rennens, weil regelmäßig Sand auf die Strecke geweht wird“, berichtet Mike Gascoyne, Technischer Direktor Chassis im Panasonic Toyota Racing Team. In diesem Jahr wurden allerdings die riesigen Auslaufzonen aus Sand durch eine sandfarbige Schicht aus Asphalt ersetzt. Hintergrund: Im Falle eines Verlassens der Strecke können die Formel 1 Boliden wieder besser auf die Rennstrecke zurückkehren. Hier von einem „Wüsten-Rennen“ zu sprechen, beschreibt dieses motorsportliche Ergebnis treffend – allerdings gehen auf dem Bahrain International Circuit keine Kamele an den Start.

Die arabische Nation in das Geschehen des Formel 1-Motorsports zu integrieren, war das Bestreben des Formel 1-Managment. Dies ist mit Bahrain zweifelsohne gelungen. Die teilnehmenden Automobilhersteller begrüßen den Formel 1-Lauf im Mittleren Osten, um auch hier ihre globale Präsenz zu unterstreichen. Nachdem im vergangenen Jahr erstmals in Bahrain und in China auf dem neuen Shanghai International Circuit gefahren wurde, feiert in diesem Jahr der erste Grand Prix in der Türkei seine Premiere. Am 21. August 2005 heißt es, auf der im Osten der türkischen Metropole Istanbul gelegen Rennstrecke, Start frei. Die Formel 1 erschließt weitere Märkte und weckt in neuen Ländern bereits heute großes Interesse.

Andere Länder, andere Sichten – dies trifft in besonderer Weise auf den Formel 1 Grand Prix in Bahrain zu, der im vergangenen Jahr gleich zum bestorganisierten Grand Prix der Saison gewählt wurde. Hier versprühen die Gewinner auf dem Siegerpodest nicht den sonst üblichen Champagner, sondern ein wohl zubereitetes, prickelndes Rosenwasser. Und auch das dieses Jahr nur in Maßen – wegen des Todes von Papst Johannes Paul II.