Uhr

Jugend forsch!

Toyota richtete die erste deutsche Meisterschaft für "Formel 1 in der Schule aus"

Motorsport
Jugend forsch!
Jugend forsch!
Der Traum von einer Formel-1-Weltmeisterschaft gedeiht in den Köpfen von ungezählten Buben und Mädchen auf der ganzen Welt. Dabei ist es gar nicht erforderlich, Michael, Kimi, Fernando oder Jarno zu heißen und einen Formel-1-Boliden möglichst erfolgreich über die 17 Rennstrecken in 15 Ländern zu lenken, die der Formel-1-Kalender 2007 listet. Auch für Jakob, Karsten, Claudia, Yann, Milad und Paula stehen die Chancen gut, einen Titel in der Formel 1 zu erringen. Sie engagieren sich wie rund vier Millionen Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt beim Wettbewerb "Formel 1 in der Schule". Die ersten Titelkämpfe für Deutschland richtete Toyota am 1. Februar in Köln aus.

Mitglied in einem Formel-1-Team zu sein ist kein Zuckerschlecken. Für Paula Meyer und ihre Teamkollegen Lars Braunsdorf, Thomas Zohm und Tino Hamann vom Team "SITI-Spead-Team-SST" hatten die Wecker im heimischen Havelberg lange vor vier Uhr in der Frühe die individuellen Träume von einer Formel-1-Weltmeisterschaft zerrissen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln galt es von Sachsen-Anhalt nach Köln zu reisen, um im Vorort Marsdorf unter dem Dach der deutschen Zentrale des Autobauers Toyota an der ersten deutschen Meisterschaft "Formel 1 in der Schule" teilzunehmen. Und die Startflagge fiel pünktlich um zehn Uhr.

Das Los der weiten Anreise teilten die Havelberger mit ihren Wettbewerbern, die beispielsweise aus Wilhelmshaven oder dem bayerischen Alzenau mit ihren Lehrern und Betreuern eine ähnlich weite Reise nach Köln angetreten hatten. "Formel 1 in der Schule" durfte an diesem Donnerstag den regulären Unterricht streichen und führte die Jugendlichen von der harten Schulbank in die einzige Formel-1-Fabrik auf deutschen Boten. Weit über 700 Mitarbeiter aus 18 Ländern kümmern sich in Köln um das Formel-1-Engagement von Toyota. Neben dem eigentlichen Wettbewerb stand ein Besuch mit Besichtigung des "Allerheiligsten" der internationalen Formel-1-Truppe auf dem Programm.

"Formel 1 in der Schule soll bei jungen Menschen in erster Linie die Begeisterung für technische Berufe und andere anspruchsvolle, zukunftsträchtige Tätigkeiten wie Marketing und Management wecken," erklärt Andrew Denford, der im Jahr 2000 "F1 in School" ins Leben gerufen hat. Das Prinzip von "F1 in School" ist denkbar einfach: "Learning by Doing".

Praxisbezogenes Lernen für Kinder und Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren ist das erklärte Ziel der Aktion, an der sich jede Schule beteiligen kann. Die Teilnehmer bilden ein Team, entwickeln ein Rennfahrzeug, suchen Sponsoren, präsentieren, vermarkten und setzten das Fahrzeug ein. Wer im Internet www.formel-1-in-der-schule.de anklickt, findet Informationen und die Möglichkeiten sich anzumelden. Armin Gittinger, der deutsche Leiter von "Formel 1 in der Schule: "Ab dem 2. Februar nehmen wir die Bewerbungen für die deutsche Meisterschaft 2008 an."

"Formel 1 in der Schule" ist in Deutschland noch ein zartes Pflänzchen. Die sieben Teams, die in Köln an der ersten nationalen Meisterschaft teilnahmen, hatte gerade drei Monate Zeit gehabt, die gestellten Aufgaben zu lösen. Diese Erfahrungen sind Andrew Denford bekannt: "Im Gründungsjahr 2000 hatten wir in England mit zwölf Schulen begonnen. In diesem Jahr nahmen mehr als 700 Schulen in Großbritannien an der Aktion teil. Weltweit beteiligen sich inzwischen rund vier Millionen junge Menschen in 22 Ländern an F1 in School."

Angemeldete Schulen, Bildungseinrichtungen oder Klassen erhalten für den Bau ihres Boliden eine Konstruktionssoftware, die wie jene CAD-Programme ("Computered Added Design) arbeitet, die heute alle Hersteller von Fahrzeugen und Rennautos verwenden. Armin Gittinger: "Die Software ist so konfiguriert, dass sie problemlos auf Rechnern läuft, die Schulen und Schüler heute zur Verfügung stehen." Mit diesem Programm entwickeln die Jugendlichen das Design ihres Rennfahrzeugs und sein aerodynamisches Profil. Natürlich nach einem strengen Regelwerk, das alle Details von den Maßen über Fahrwerk, Räder, Form der Spoiler bis zum Gewicht festschreibt.

Die Form des Autos arbeitet jede CNC-Fräse aus einem genormten Block Balsaholz. Armin Gittinger: "Viele Schulen besitzen für den Werkunterricht eine solche Werkzeugmaschine. Wenn dies nicht der Fall ist, lassen wir die Form nach den übermittelten Daten fräsen.

Die fertigen Fahrzeuge stellen etwa den Maßstab 1:24 dar. Um weltweit die gleichen Bedingungen im Wettbewerb zu garantieren, verfügen die kleinen Boliden über einen Antrieb mit einer genormten Druckluftpatrone und haben im Rennen die Aufgabe, eine 25 Meter lange Gerade so schnell wie möglich zu bewältigen. Jedes Team tritt in vier Läufen an. Jeweils zwei Konkurrenten müssen beim Aufleuchten der grünen Startlampe möglichst schnell reagieren und den Start auslösen. Eine gute Sekunden später ist der Lauf beendet. Die Zeitnahme arbeitet auf die tausendstel Sekunde genau. Die bunten Renner legen dabei mit einer Startgeschwindigkeit von rund 130 km/h los. Wer bei der Formgebung fleißig seine aerodynamischen Hausaufgaben gemacht hat, gewinnt entscheidende Tausendstel.

Doch schnell auf der Piste zu sein, reicht nicht alleine, um Meister bei "Formel 1 in der Schule" zu werden. Die Bestzeit im Rennen ergibt maximal 100 Punkte einer Gesamtwertung. 80 weitere Punkte lassen sich mit dem Design und seiner Umsetzung des Rennwagens und 120 mit der Präsentation des Teams vor einer fachkundigen Jury erringen.

Neben den technischen Aufgaben sollen die Jugendlichen auch eine Teamorganisation aufbauen und das Team "vermarkten". Denn ohne finanzielle Zuwendung geht auch bei "Formel 1 in der Schule nichts." Und für die finanziellen Mittel müssen die Jugendlichen selbst sorgen, indem sie in ihrem Umfeld für Sponsoren werben.

"Formel 1 in der Schule" genießt bereits eine breite Unterstützung. Bernie Eccelstone, Chef der Königsklasse im Motorsport stellte das offizielle Logo der Formel 1 zur Verfügung. Alle Mitarbeiter der gemeinnützigen GmbH "Formel 1 in der Schule" arbeiten ehrenamtlich. Ebenso wie Angehörige des TÜV, die die Fahrzeuge abnehmen, bewerten und das Reglement überwachen.

"Als Unternehmen, das sich Technik auf die Fahnen geschrieben hat, sehen wir es geradezu als unsere Pflicht an, bei Formel 1 in der Schule dabei zu sein, denn hier entwickeln wir den Kontakt zur Basis. Bei dem gezeigten Engagement sind wir sicher, dass sich der eine oder andere Teilnehmer für eine berufliche Zukunft in unserer technischen Entwicklung qualifiziert", begründete Andy Fuchs, verantwortlich für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei der Toyota Motorsport GmbH, das Engagement des Unternehmens.

Die Besichtigung der Formel-1-Fabrik fand ein entsprechendes Echo und führte zu prägnanten Analysen über die Unterschiede zwischen der Schüler und Profis. Milad Mafi von VDI-Racing aus Hannover: "Bei uns treibt das Fahrzeug die Räder an. Bei der echten Formel 1 müssen die Räder das Auto antreiben". Dass das Fachwissen von 16jährigen über die Formel 1 durchaus zu Auftritten bei "Wetten dass" qualifizieren könnte, bestätigen ausgiebige Diskussionen über die aerodynamischen Qualitäten des aktuellen Toyota Formel 1 TF 107 im Vergleich zu seinem Vorgänger, oder ob der Große Preis von Frankreich 1981 in Dijon mit einem achtmaligen Wechsel des Führenden innerhalb von zwei Runden nicht doch das spannendste Rennen der Formel 1 gewesen ist.

Dem Engagement ihrer jungen Gäste trugen die Verantwortlichen der Gastgeber bei der Siegerehrung Rechnung. Ole Welschehold und Kevin Krey von "Friesen Design" aus Wilhelmshaven erhielten Siegerpokal, Medaillen und Preise von Toyotas Motorsportchef John Howett und Toyota Deutschland-Vizepräsident Markus Schrick, wie das zweitplazierte "VDI-Racingteam" und das "Jade Racing Team" auf Rang drei. Die schnellste Zeit auf der Bahn registrierte die elektronische Zeitmessung mit 1,129 Sekunden. Der Weltrekord liegt übrigens bei 1,007 Sekunden.

Im Rahmen des Formel-1-Auftakts am 18. März im australischen Melbourne findet auch der WM-Titelkampf für "Formel 1 in der Schule" statt. Auch die erfolgreichen deutschen Finalisten wollen nach "Down under" reisen und ihren Boliden dort dem internationalen Wettbewerb stellen. Doch wie im richtigen Leben steht auch hier die Arbeit vor dem Vergnügen: Das Team muss sich eigene Sponsoren für die Finanzierung der Reise suchen.