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Im Gespräch: Luca Marmorini, Panasonic Toyota Racing

"Wir sind mit der Leistung des Motors zufrieden"

Motorsport

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Köln. In der Formel 1-Weltmeisterschaft sind die Motoren der teilnehmenden Fahrzeuge einem Homologierungsreglement unterworfen: Die V8-Triebwerke mit 2,4 Litern Hubraum dürfen das Drehzahllimit von 19.000/min nicht überschreiten. Eine grundsätzliche Weiterentwicklung des Motors ist auch für 2008 nicht erlaubt. "Wir arbeiten aber hart in den Bereichen, in denen man weiterentwickeln darf. Außerdem tasten wir uns immer näher an das Limit heran und versuchen stets das Maximum aus dem Motor herauszuholen", so Luca Marmorini, Motorenchef des Panasonic Toyota Racing Team. Der Italiener arbeitet seit September 1999 bei Toyota Motorsport, zuvor war er neun Jahre bei Ferrari tätig. Marmorini gab uns im persönlichen Gespräch einen Einblick in seine Arbeit am Toyota V8 RXV-07.

Herr Marmorini, in dieser Saison dürfen Sie keine neuen Leistungsstufen des V8-Motors für die Renneinsätze entwickeln. Ist es für Sie derzeit nicht langweilig in der Formel 1?

Marmorini: Es gibt andere Elemente, die Einfluss auf die Motorleistung haben. An diesen Dingen haben wir schon immer gearbeitet. Durch das Homologierungsreglement mussten wir uns jedoch auf andere Schwerpunkte konzentrieren. Diese Bereiche sind zum Mittelpunkt unserer Arbeit geworden. Wir konzentrieren uns auf Parameter, die nicht unmittelbar mit der eigentlichen Leistung zu tun haben, aber trotzdem Verbesserungen für die Rundenzeiten bringen, sowohl im Qualifying, als auch im Rennen.

Welche technischen Änderungen sind erlaubt und welche Änderungen sind, Ihrer Meinung nach, während der Saison angemessen?

Marmorini: Am Motor selbst sind nur Änderungen erlaubt, die Einfluss auf die Zuverlässigkeit haben, und diese müssen im Voraus mit der FIA vereinbart werden.

Jedes Rennen hat seine eigene Charakteristik: Welcher Kurs bedeutet für den Toyota Achtzylinder eine besondere Herausforderung?

Marmorini: Die beiden anspruchsvollsten Strecken für den Motor sind Monza und Spa, wegen den hohen Geschwindigkeiten und der Vollgaszeiten. In Monza werden beispielsweise über 70 Prozent der Runde mit Vollgas gefahren. Dieses Jahr fanden die Rennen direkt nacheinander statt, und wir mussten denselben Motor für beide Rennen verwenden, was für uns eine Herausforderung darstellte. Trotz der hohen Anforderungen dieser beiden Strecken hatten wir keine Probleme mit unseren Motoren.

Eingriffe am Motor selbst sind eine Möglichkeit, die Leistung zu verändern. Die andere Möglichkeit liegt bei Eingriffen in der Umgebung des Motors. Wo finden Sie die technischen Möglichkeiten, die Leistung des Motors zu verbessern, ohne gegen die Vorschriften zu verstoßen?

Marmorini: Wir können uns auf die Airbox konzentrieren, die Abgase und den Kraftstoff. Wir haben uns diese Bereiche vorgenommen, um Verbesserungen zu erreichen. In der Vergangenheit hätte man einen neuen Kolben entwickelt oder eine neue Pleuelstange, um zusätzliche PS zu gewinnen. Heute sind unsere Möglichkeiten eingeschränkt und wir müssen uns auf andere Bereiche konzentrieren. Wir haben uns außerdem angeschaut, wie wir den Motor nutzen, und uns dabei Faktoren zugewendet, die keinen unmittelbaren Einfluss auf die Rundenzeit haben, aber dennoch wesentlich zur Fahrzeugleistung über ein ganzes Rennen beitragen. So haben wir beispielsweise an der Verbesserung der Kraftstoffwirtschaftlichkeit gearbeitet. Auch wenn dies keine zusätzliche Geschwindigkeit bringt, ist es dennoch ein Leistungsfaktor und beeinflusst unser Gesamtergebnis.

In dieser Saison läuft der Toyota V8 sehr zuverlässig, auch im Williams. Sind Sie mit Ihrem Motor aus dem Jahr 2007 zufrieden?

Marmorini: Bislang sind wir mit unserer Motorleistung in dieser Saison zufrieden. Wir hatten nur sehr wenige Probleme mit der Zuverlässigkeit, und das ist positiv. Wir fühlen uns wohl mit dem, was wir erreicht haben, arbeiten aber wie immer hart daran, noch besser zu werden.

Glauben Sie, dass die beschränkten Motoren in der Formel 1 in eine "Sackgasse" führen? Können wir für die Formel 1-Saison 2008 keine weitere Entwicklung erwarten?

Marmorini: Wie ich bereits sagte, es gibt Bereiche, an denen wir arbeiten, im Umfeld des Motors, und im Rahmen der Regeln. Wir hätten gern mehr Freiheiten, aber wir können nur im Rahmen der Vorschriften arbeiten. Wir tun alles, um ständig Verbesserungen einzuführen. Ein Formel 1 Motor bleibt eine extreme Hightech-Komponente, auch wenn der Entwicklung Grenzen gesetzt sind.