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Im Gespräch: John Howett, Präsident Toyota Motorsport GmbH

"Toyota fährt bis mindestens 2012 in der Formel 1"

Toyota  F1 2008 John Howett Präsident TMG
Köln. In der Formel 1-Weltmeisterschaft 2008 steht vor dem Start in Australien. Das "Panasonic Toyota Racing Team" geht mit hohen Erwartungen in seine siebte Saison. Beim ersten WM-Lauf in Melbourne will das Team unter die ersten acht fahren und im Laufe der Saison sollte auch ein Podestplatz drin sein. Neben dem Italiener Jarno Trulli startet der Deutsche Timo Glock im neuen Toyota TF108. Erste Testfahrten lassen auf eine steigende Leistungskurve blicken. John Howett, Präsident der Toyota Motorsport GmbH (TMG) mit Firmensitz in Köln-Marsdorf, ist seit 2003 verantwortlich für das Formel 1 Projekt. Wir sprachen mit dem Engländer, der seit über 25 Jahren für Toyota arbeitet.

Die Vorbereitungen für den Saisonstart 2008 in Australien laufen auf Hochtouren.
Wie schätzen Sie die Stärken des TF108 nach den ersten Testfahrten ein?


Howett: Der TF108 liefert uns ein starkes Basispaket, das unseren Erwartungen entspricht. Er ist vollkommen anders als der TF107, mit einem komplett neuen aerodynamischen Konzept, und seit dem ersten Test steht fest, dass er eine sehr viel bessere Stabilität und ein besseres Fahrverhalten aufweist. Die Fahrer haben mehr Vertrauen in dieses Fahrzeug und können sich stärker ins Zeug legen. Außerdem hat das neue aerodynamische Konzept signifikant zur Abstimmung des Fahrzeugs beigetragen. Wir haben in diesem Bereich bereits beeindruckende Fortschritte zu verzeichnen und sehen ein großes Potenzial, während der Saison daran weiterzuarbeiten.

Ist 2008 für Toyota ein richtungsweisendes Jahr, schließlich ist der TF108 eine Neukonstruktion und der Druck auf ein Podiumsplatz zu fahren, wird auch nicht geringer?

Howett: Als Team machen wir mit, um zu gewinnen, das ist klar, und wir setzen uns selbst unter Druck, um unsere Ziele zu erreichen. Wir sind überzeugt, dass der TF108 eine signifikante Verbesserung gegenüber dem TF107 darstellt und ein Fahrzeug ist, das unser Team weiter nach vorn bringen und uns unseren langfristigen Zielen näher bringen kann.

Die Entwicklung und Aufbau eines Formel 1 Rennwagens muss in einen immer kürzeren Zeitrahmen passen. Schließlich müssen Sie schon heute an 2009 denken, wenn er neue Toyota dann auf Slicks fährt. Kann dies die Weiterentwicklung am TF108 beeinflussen?

Howett: Nein, der TF108 wird intensiver entwickelt als jedes bisherige Toyota Formel 1-Fahrzeug. Wir haben eine separate Projektgruppe, die das Konzept und Design des Wagens für 2009 entwickelt, und ihre Arbeit hat keinerlei Einfluss auf die kompromisslose Entwicklung des TF108.

Ist das Toyota Formel 1 Paket für 2008 optimal geschnürt, gehören die Probleme aus 2007 endgültig der Vergangenheit an?

Howett: In diesem Stadium führen wir Tests durch, um ein starkes Basispaket des TF108 zu schaffen, und nach vier Tests haben wir uns noch nicht damit befasst, das Paket für eine noch bessere Leistung zu optimieren. Wir bauen ständig neue Teile am Fahrzeug ein, und das Paket für das erste Rennen wird erst in Melbourne zu sehen sein. Der TF108 ist ein vollkommen anderer Wagen als der TF107, und sein Konzept spricht die Probleme an, die wir im letzten Jahr hatten. Wir sind überzeugt, dass das komplett optimierte Paket konkurrenzfähig sein wird, und Sie werden in dieser Saison bessere Ergebnisse des Teams erleben.

Wird es in diesem Jahr noch personelle Aufstockungen im Team geben?

Howett: Wir verfügen über extrem loyale und motivierte Mitarbeiter, die außerdem extrem kompetent sind. Wir haben grundsätzlich Interesse an talentierten und engagierten Bewerbern, die in unserem Team mitarbeiten möchten, aber wir werden unsere Mitarbeiterzahl - derzeit etwa 650 - nicht erhöhen.

In welchem Umfeld sehen Sie Toyota im Wettbewerb, wie lautet Ihre erste Einschätzung?
Howett: Das lässt sich in diesem Stadium nicht sagen, und wir können dies erst während der ersten Rennen wirklich beurteilen. Wir haben das volle Potenzial unseres Fahrzeugs noch nicht erlebt, aber es ist klar, dass wir näher an den Spitzenteams sind als vor einem Jahr. Ich gehe davon aus, dass wir regelmäßig Punkte machen. Unser erstes Ziel in Australien wird sein, unter die ersten acht zu kommen, und ich bin überzeugt, dass wir das erreichen.

Immer wieder tauchen in den Medien Stimmen auf, die wissen wollen, dass Toyota nicht mehr lange in der Formel 1 bleiben wird. Gibt es ein Zeitfenster für die Teilnahme in der Formel 1-WM?

Howett: Diese Gerüchte sind absolut falsch. Sie entbehren jeder Grundlage. Wenn diese Leute sich die Fakten anschauen würden, wäre für sie zu erkennen, dass Toyota eine rechtsverbindliche Verpflichtung hat, mindestens bis 2012 in der Formel 1 teilzunehmen. Diese Verpflichtung geht derzeit weiter als bei vielen anderen Teams, und es dürfte absolut keine Zweifel hinsichtlich unseres Engagements in der Formel 1 geben.

Toyota wird auch 2008 das Williams F1 Team mit Motoren beliefern. Gibt es hier eine ständigen Techniktransfer zwischen Köln und Grove?

Howett: Wir arbeiten in unserer Rolle als Motorenlieferant eng mit Williams zusammen, aber ich würde dies nicht als ‚ständigen Techniktransfer' bezeichnen. Williams kann umfangreiche Informationen zur Motorleistung vorlegen, die wir dann neben unseren eigenen Daten heranziehen, um das Optimum aus dem Motor herauszuholen. Mitarbeiter von Toyota arbeiten wiederum eng mit Williams zusammen, um die Mitarbeiter dort zu beraten, wie man die Leistung unseres Motors maximieren kann. Im vergangenen Jahr haben wir bei der Entwicklung eines Schaltgetriebes zusammengearbeitet. Nachdem wir unsere Ziele für das Projekt erreicht hatten, und in Anbetracht der neuen Regel, dass das Getriebe vier Rennen lang halten muss, haben wir uns jedoch entschlossen, für diese Saison unabhängig weiterzumachen.

Wie ist Ihr Eindruck von Timo Glock nach den ersten Wochen im Team?

Howett: Wir alle sind sehr beeindruckt von Timo, wegen seines Arbeitseinsatzes, seiner Geschwindigkeit und seines technischen Input. Er hat einen unmittelbaren Beitrag zur Fahrzeugentwicklung geleistet, und seine engagierte Arbeit bei den Tests, wie wir sie auch von Jarno und Kamui kennen, zahlt sich in verbesserter Leistung aus.
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