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Formel 1 Exklusiv: Timo Glock Kolumne

"Wenig Zeit über Druck nachzudenken"

Toyota F1 2008 Timo Glock
Köln - Kribbeln im Bauch hatte ich bei der Präsentation des Toyota TF108 in Köln noch nicht. Aber es war schon irgendwie spannend und natürlich etwas Besonders . Ich habe mich riesig gefreut. Und wenn ich jetzt denke, dass es am 16. März endlich in Melbourne losgeht, dann verspüre ich schon ein Kribbeln.

Nach der Vorstellung des TF108 Anfang Januar hat sich kein zusätzlicher Druck für mich aufgebaut. Wir haben seitdem alle sehr hart gearbeitet und hatten daher eh nur wenig Zeit, über Druck oder so etwas nachzudenken. Testen, testen, testen war unsere Devise. Die spanischen Rennstrecken in Barcelona, Valencia und Jerez gehören ja zum festen Bestandteil im Testkalender, da war unser Ausflug nach Bahrain eine willkommene Abwechslung.

Neben Ferrari waren wir das einzige Formel 1-Team, das auf dem gigantischen Bahrain International Circuit fuhr. Die Reise auf das Insel-Scheichtum im arabischen Golf hat sich gelohnt. Die Testfahrten waren, auch wenn nur Ferrari auf der Strecke war, eigentlich wie bei jedem anderen Test. Aber auch mit dem Unterschied, dass ich an meinen freien Tagen zwischen den beiden Testeinheiten optimale Trainingsbedingungen hatte und genau deswegen bin ich ja dann zwischen den Testfahrten in Bahrain geblieben. Dort konnte ich viel Sport treiben, bei optimalen Bedingungen mit Außentemperatur von 22 bis 24 Grad und einer geringen Luftfeuchtigkeit. Man schwitzt, aber muss sich nicht so quälen, wie man das in der Wüste vielleicht erwarten würde. Für meine körperliche Saisonvorbereitung war das ein sehr wertvoller Beitrag.

Unser Test fernab von Europa auf der in der Wüste gelegenen Rennstrecke zu fahren, hat auf jeden Fall für das Verständnis des TF108 einiges gebracht. Denn wir haben eine neue Kühlanordnung, als direkte Folge des neuen aerodynamischen Konzepts. In Bahrain konnten wir anschließend überprüfen, dass die neue Kühlung funktioniert. Und wir erhielten auch ein sehr realistisches Bild dessen, was die Bremstemperatur nun macht.

Der Vorteil in Bahrain ist auch, dass man schon morgens locker losfahren kann und wirklich den ganzen Tag voll konzentriert testet, ohne ständig auf das Wetter achten zu müssen. In Europa sind die ersten Stunden eines jeden Morgens meist schwierig, weil es noch viel zu kalt für die Reifen ist, wie ja auch die späteren Tests in Barcelona gezeigt haben. Und nachmittags muss man schon zum Himmel gucken, ob es nicht doch zu nieseln anfängt.

Eine schöne Abwechslung zwischen den Formel 1-Tests war mein Besuch bei der Vorstellung des neuen Lexus IS-F, übrigens mein neuer Dienstwagen, auf den ich mich schon sehr freue. Ich hatte während der Vorstellung Gelegenheit erstmals mit dem IS-F zu fahren. Ich kann nur sagen, dieses Auto ist der Hammer. Was mich nicht wundert, denn der Fünfliter-V8 Motor mit 423 PS ist schon eine Ansage. Beeindruckt bin ich auch von der Achtgang-Automatik, ein Novum in dieser Klasse. Damit merkst du keinen Schaltvorgang mehr. Da fühlen sich die Gangwechsel fast wie in einem Formel 1-Auto an.

Nach den Tests im Januar und Februar flog ich Anfang März nach Tokio zu mehreren Terminen mit Toyota. Zuvor hatte ich endlich Gelegenheit einmal zu Hause vorbeizuschauen. Ich brauchte mal etwas Ruhe, schließlich war ich seit Anfang Januar sehr viel unterwegs und nur fünf Tage in der Heimat.

Bis jetzt bin ich in der Öffentlichkeit ja nicht so präsent, dass ich mich zurückziehen müsste. Allerdings ist das Interesse an meiner Person seit ich Formel 1-Stammfahrer bin gestiegen, so hätte ich es nicht erwartet. Ich habe die Interviews, die ich in den vergangenen Wochen gegeben habe, nicht gezählt. Es macht aber immer noch Spaß, auch wenn es oft die gleichen Fragen sind. Das gehört zum Job dazu.

Angenehm ist bei der vielen Reiserei der kurze Weg von meinem neuen Domizil in Köln zur Formel 1-Fabrik, für mich ist es selbstverständlich nah dran zu sein. So konnte ich noch bevor ich zum Saisonstart nach Australien flog, mit den Ingenieure eine kurzfristige aktuelle Lagebesprechung machen, ohne zeitraubend mit dem Flugzeug anzureisen.
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